07.06.17

ASV-Nachtlauf Köln I Langsamer Trainingslauf im Wettkampf – Ein Selbstversuch

Heute gibt es einen Gastbeitrag von Ludger! Mittlerweile hat sich die Kooperation mit ihm zu einer kleinen Lokalredaktion "Kölle" entwickelt. Ich freue mich  immer über seine Beiträge, da "der-laufgedanke" so viel wie möglich an Informationen zu interessanten Läufen in unserer Region anbieten soll. Mit dem Rhein-Sieg-Kreis & Bonn habe ich einiges zu tun.;-) Bei den vielen Angeboten in Köln kann ich seine Unterstützung entsprechend sehr gut gebrauchen. Darüberhinaus bringt er einen etwas anderen Stil in den Post. Ähnlich, wie bei seinem Beitrag aus Boston2017 (als Auslandskorrespondent;-) kombiniert er gerne die Story vom Lauf mit interessanten Erfahrungen der Trainingskonzepte oder Rennstrategie. Demnächst werden wir mal wieder gem,einsam die Straßen von Köln "unsicher" machen -  aber spätestens beim Kölner ZooLauf!









Heute schreibe ich über den Selbstversuch, einen 10 km Wettkampf nur nach Puls zu laufen, und zwar langsam – also im Grundlagen-Ausdauer Modus, und sich dabei nicht von der Masse mitreißen zu lassen. Die Idee war längeren Trainingsläufen dadurch etwas Pepp zu verleihen, dass man mit anderen  die Strecke teilt und die Getränkeversorgung gesichert ist. Das Ergebnis hat mich mehrfach überrascht.Zugleich möchte ich über den sehr schönen Kölner Lauf berichten, meinen ersten „Nachtlauf“.  

Die Vorgeschichte: Laufen nach Plan ohne Plan  
Erst mit über 40 bin ich ans Laufen gekommen. Den Einstieg habe ich damals über pulsgesteuertes  Laufen gemacht. 35 Minuten, jeden zweiten Tag, Puls nicht über 135 Schläge / Minute. Nach einiger  Zeit verselbständigte sich das Training – ich lief Distanzen, Puls egal. 2014 kam ich dann zum Marathon. Die Trainings machte ich dann nach Marathon-Plänen, wie sie in vielen Büchern aber auch  in Netz zu finden sind. Im Buch von Herbert Steffny findet man Pläne für unterschiedliche Zielzeiten.Die Trainingseinheiten sind mit einer Kilometerangabe und dem Lauftempo angegeben. Überlesen oder vergessen hatte ich, dass das Tempo einem Herzfrequenzäquivalent entspricht: Prinzipiell geht es  also darum, in verschiedenen Belastungsbereichen zu laufen. 

So überrascht es nicht, dass ich zwar die Trainingseinheiten für einen Marathon in 03:59:59 bewältigen konnte, es im Wettkampf aber vorne und insbesondere hinten nicht gereicht hat. Ich kannte meine individuellen Belastungsgrenzen in den einzelnen Trainingsbereichen nicht;-( Da herrschte also Planlosigkeit. Die Ergebnisse bedrückten mich: Was habe ich falsch gemacht? 

Die Konsequenz: Ein Laktattest muss her!
Jörg berichtete hier bereits über Laktattests. Diese Blogbeiträge ermunterte mich dazu, einen solchen  Test (wieder) zu machen. Zwar hatte ich schon mal einen gemacht, damals aber ohne weitere Laufberatung. Dies wollte ich dringend ändern. Gesucht war also ein Laktattest nebst  Trainingsberatung. Ich entschied mich nach einem Vorgespräch für Anne Harig (www.time2move.de). 

Laktattest mit Spiroergometrie auf dem LaufbandFotos: © Ludger Schneider-Störmann

Nach den Tests erstellte sie mir einen individuellen Trainingsplan. Auch leistete ich mir den Luxus, mit ihr Trainingsläufe zu machen. Anne geht sehr positiv mit meinen Schwächen um und hat ein Händchen für Motivation. So mache ich derzeit Seilspringen. Eine Übung, die ich mir mangels Begeisterung bis Mai 2017 erfolgreich vom Leibe gehalten hatte. Okay, nun mache ich so was. Aber zurück zum Ausgangspunkt: Die Trainingsläufe nach Puls. 

Der Plan: Abwechslungsreich und vielseitig  
Ich hatte also einen neuen Trainingsplan. Und eine Anmeldung zum Nachtlauf (von dem Anne nichts wusste). An dem besagten Datum (24. Mai 2017) sollte ich an meiner Grundlagenausdauer arbeiten: 70 Minuten bis maximal 135 Schläge / Minute – da kam bei mir direkt die Erinnerung an meine Anfänge. Also beschloss ich meine Uhr auf den Pulsbereich einzustellen und die 10km genau  im Bereich zu bleiben, wohlwissend, dass das langsam sein würde. 


"Tokyo Connection" beim Kölner-Nachtlauf  Fotos: © Ludger Schneider-Störmann

Bildquelle: Köln Marathon I Partnerläufe


Der ASV Nachtlauf: Laufen gegen die Erfahrung – laufen nach Plan 
Ein wunderbarer Abend erwartete mich und meine Lauffreunde der „Tokyo Connection“. Treffpunkt  war der Tanzbrunnen auf der "Schäl Sick in Kölle am Rhing". Die Stimmung entspannt, das Wetter ideal. Auch vom Organisatorischen gab es nur positives: Die Starnummer hielt ich nach wenigen Sekunden  in der Hand. Für Getränke war gesorgt und so verging die Wartezeit wie im Flug. 

 

Fotos: © Ludger Schneider-Störmann



Fotos: © Ludger Schneider-Störmann

Am Start tummelten sich knapp 1.500 LäuferInnen und Läufer, bunt und freundlich. Dann kam der Startschuss: Tausende Ballons stiegen in den Abendhimmel auf. Für mich hieß das: Uhr starten und  Puls checken! „Hoppla“ dachte ich, „da gehen aber viele sehr ambitioniert an die ersten Meter“. Bremsen, ruhig bleiben, Kontrolle. Das war meine Aufgabe, mein Ziel. Es ist schwer zu beschreiben,  was mir alles durch den Kopf ging. Schnell wurde mir klar, dass ich alleine laufe. Zeitweilig war es wie neben einer Leinwand zu laufen, auf der ein Film lief, in dem alle schneller rennen als ich. Es ist  schon irgendwie bitter, wenn von den 1.500 gefühlte 1.499 an einem vorbeirennen. Normalerweise  laufe ich 10 km nahe am Limit und unter 55 Minuten. Daraus wurde nichts, da ich mich selber permanent bremsen musste. 

Ablenkung muss her: Ich kann schneller, aber ich will nicht! 
Irgendwie musste ich mich ablenken. Also beschloss ich, Fotos zu machen und den Lauf in vollen Zügen zu genießen. Und dafür ist dieser Nachtlauf in Köln wie gemacht: Was für eine Kulisse, kaum hatten wir den Tanzbrunnen verlassen.


Fotos: © Ludger Schneider-Störmann


Fotos: © Ludger Schneider-Störmann


Gleich danach ging es über die Deutzer Brücke Richtung Altstadt. Das Publikum, die meisten wohl  eher aus Zufall dazu gekommen, jubelte uns unermüdlich zu. Auch einem Langsamen hilft das. Das wunderbare am „Entspannungslauf“ ist, dass man viel mehr mitbekommt als sonst: Bei beiden Sambagruppen blieb ich kurz stehen um mich zu bedanken und Fotos zu machen. Den Musikern hat das auch gefallen


Fotos: © Ludger Schneider-Störmann

Der optische Höhepunkt: De Dom in Kölle! 
Wir liefen weiter am Rhein Richtung Dom: Sicherlich ein Highlight des Laufs, denn die Treppe hinauf  steht „nur den LäuferInnen des ASV-Nachtlaufs“ zur Verfügung. Da die Runde zweimal gelaufen werden kann (es gibt einen  5km und einen 10 km Lauf), sieht man die Kulisse zweimal: Einmal in der Dämmerung, einmal kurz  vor der Dunkelheit. Das ist wirklich sehr schön anzusehen. 


Der Dom zum Ersten: Während Runde 1 bin ich noch im Pulk I Der Dom zum Zweiten: Während Runde 2 bin ich fast allein;-) Fotos: © Ludger Schneider-Störmann
Über die Hohenzollernbrücke zu laufen gelingt Kölner Läufern nur selten, zu viele Touristen und  Radfahrer stehen und fahren tagsüber auf der berühmten Brücke und teilen sich mit Läufern den Weg. Beim Nachtlauf ist das aber ohne Probleme möglich, denn dann ist diese Brücke für die TeilnehmerInnen reserviert. 

Nach dem Passieren des Start/Zielbereichs ging es für die 10km-Runner in die zweite Runde. Für mich als „Slow-Motion“ Läufer war diese Probe noch härter. Es leerte sich, da die 5km Jogger am Ziel  waren und die wenigen, die in die zweite Runde liefen, schneller wurden (und ich bei gleichbleibendem Puls etwas langsamer). 

Ruhe bewahren: Alles eine Frage der Geduld – und der netten „Mitläufer“ 
Wieder am Rheinufer lief ein weiterer etwa in meinem Tempo, da dachte ich: „Das ist die Gelegenheit  zur Unterhaltung“. "Ne kölsche Jong", etwa in meinem Alter, erzählte, dass er regelmäßig läuft, die 10km aber eine Herausforderung sei, da er immer kürzere Distanzen läuft. Ich fand es toll, dass er nicht bei km 5 aufgab, sondern sich der Strecke stellte. Eine super Einstellung. Wir liefen die verbliebenen 4 km zusammen und unterhielten uns. 

Gemeinsam erklommen wir die mittlerweile leere Domtreppe (siehe Foto oben). Auch die 
Hohenzollernbrücke war leer. Das war uns egal, wir konnten das Laufen genießen. Die Menschen am  Rand, die nunmehr zufällig Zuschauer waren, winkten und riefen uns zu, auch die  Sambagruppengaben alles, uns ins Ziel zu tragen. Schließlich kamen wir ins Ziel und meine Begleitung bedankte sich, dass ich ihn ins Ziel  mitgenommen hatte. Kein Problem, gerne.

Schlussfolgerung: Das mache ich (nicht) nochmal!
Der ASV Nachtlauf ist eine Empfehlung. Ein toller Lauf, super Atmosphäre und kostenfreie Fotos. Ich  merke mir den für 2018 vor. Allerdings werde ich diesen dann flotter laufen.  Ich kann nur davon abraten, eine (langsame) Trainingseinheit beim Wettkampf zu machen. Sicher, für  Verpflegung und Stimmung ist gesorgt, es macht schon Freude. Aber es ist sehr problematisch, sich  auf den Puls und nicht auf das Rennen zu konzentrieren und so viele Läuferinnen und Läufer an einem  vorbeiziehen zu lassen. Am Ende war ich satte 20 Minuten langsamer als im Wettkampfmodus. Das brauche ich nicht nochmal. Auch Anne war überrascht und sagte, dass bei einer Vorankündigung meinerseits am Nachtlauf   teilzunehmen, der Trainingsplan für den Abend eine schnelle Einheit vorgesehen hätte. Ich war nach diesen 10 km sehr erholt am Ziel. Für mein Training habe ich also alles richtig gemacht, den Nachtlauf zu erleben war auch eine gute Entscheidung. Gerne wieder, aber dann ohne Training. 


Weitere Informationen
Auf der Homepage des Veranstalters findet man viele weitere Informationen zum Laufevent sowie viele aktuelle Bilder:

http://www.asv-koeln.de/index.php/veranstaltungen/galeria-kaufhof-nachtlauf 

Streckenverlauf ASV-Nachtlauf:



 Der nächste Nachtlauf kommt bestimmt........
........ und zwar in Bonn! Am 14. Juni startet der Bonner Nachtlauf 2017:

https://www.bonner-nachtlauf.de/



Bis bald


Kommentare:

  1. Der Kölsche Nachtlauf war echt cool & hat richtig Spaß gemacht. Schöner Post, der die Stimmung gut wiedergibt. Viel Spaß beim nächsten (schnellen:-) RUN!!

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    1. Vielen Dank :-) Heute ging's beim Training mal schneller zu, tut gut
      Ludger

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  2. Toller Post Ludger.

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  3. Hallo Carlos,
    vielen Dank. Kaum draußen, schon gelesen?! Super.

    Ludger grüßt!

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  4. Hi Ludger,
    toller Bericht!
    Ich freue mich auf euch - bis demnächst, am Kölner Zoolauf!
    Liebe Grüße
    Eltje :-))

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  5. Grüße aus Dresden senden Jana und Anja - wir sehen uns

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