07.09.18

DauerläuferInnen“ ;-) .... und die Knie profitieren doch!!!

„COMPRESSION OF MORBIDITY THEORY“


LäuferInnen waren schon immer überzeugt, dass sie mit ihrem Ausdauersportler etwas gutes für die Gesundheit tun! Immer wieder wird man jedoch von Nichtsportlern hintergründig nach den „Langzeitrisiken“ des Laufens befragt! „Klar tut ihr was gutes für eure Herz, Gefäße und Kreislauf - aber wie wirkt sich diese Belastung auf eure Knie aus!?“ Diese oder ähnliche Bemerkungen hat wahrscheinlich jeder schon einmal gehört;-) Da wir alle wissen, dass bei jedem Laufschritt das mehrfache des eigenen Körpergewichts auf die Kniegelenke einwirkt, wurde ich durchaus schon mal nachdenklich. Mediziner haben zwar viele positive Auswirkungen des Laufens (z. B. auf die Knochendichte) nachgewiesen, aber ein Zweifel blieb immer;-) Persönlich laufe ich nun schon seit 35 Jahren und davon 20 Jahre die Marathondistanz! In dieser Zeit und vor allem nach dieser Zeit habe ich keine nennenswerten Beschwerden erlebt! Das letzte Jahr war mit über 3000km in Laufschuhen mein persönliches Rekordjahr. Ich könnte mich selbst somit als „laufenden Beweis“ präsentieren, dass Ausdauerlauf der Gesundheit und speziell den Knien nicht schadet;-) Leider wäre dies sehr unwissenschaftlich, da die Beobachtungsgruppe mit n=1 sehr klein wäre;-) Deshalb bin ich sehr dankbar, dass ein guter Freund und begeisterter Läufer (Danke Ludger)mir eine Studie der renommierten Standford Universität empfohlen hat, in welcher fast 1000 Personen über einem Zeitraum von 21 Jahren beobachtet und in Auswertungsbögen dokumentiert wurden! Den Inhalt dieser Studie, die 2008 veröffentlicht wurde, möchte ich heute vorstellen!







Die Studie trägt den Titel: Reduced Disability and Mortality among Aging Runners: a 21-year Longitudinal Study

Link zum Original Artikel:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18695077 



Da klopft das Herz direkt etwas schneller, denn als Lohn für unsere vielen Trainingsstunden hören sich die Ergebnise sehr gut an!

Die Forscher hatten vor vielen Jahren erkannt, dass es eine Langzeitstudie mit älteren LäuferInnen benötigt um herauszufinden, ob Ausdauerlauf einen Vorteil für die Aktiven generiert! Damals begann die sogenannte Jogging-Welle und nicht wenige vermuteten, dass durch das intensive Laufen, langfristig mehr gesundheitliche Risiken als Vorteile entstehen würden! Ein Wissenschaftler der Standfort University hatte jedoch eine gänzlich andere Hypothese: Er glaubte daran, dass durch den Ausdauerlauf ein „high quality“ behinderungsfreieres Leben im Alter möglich sei! Seine Idee mündete in den Gedanjen, dass man die Zeit der altersbedingten Behinderung, durch den Sport, regelrecht komprimieren könnte!

„COMPRESSION OF MORBIDITY THEORY“

Also wurden für eine Langzeituntersuchung zwei Gruppen festgelegt. Fragebögen wurden jährlich an 538 ausgewählte Mitglieder von Laufvereinen verschickt. Als „Kontrolle“ wurden 423 gesunde Probanden ausgesucht, die nicht regelmäßig Laufsport ausübten. Alle TeilnehmerInnen waren zu Beginn der Untersuchung 50 Jahre alt oder älter!

Aus dieser Menge an TeilnehmerInnen haben tatsächlich und immerhin 284 LäuferInnen und 156 Personen der Kontrollgruppe, die 21-jährige Untersuchungszeit abgeschlossen. Durch die Daten eines landesweiten Registers konnten die Todesursache der bis dahin verstorbenen TeilnehmerInnen in die Studienergebnisse einfließen.

In den Fragebögen wurden den TeilnehmerInnen auch Fragen zu alltäglichen selbstständigen Tätigkeiten der Versorgung (Gehfähigkeit, Anziehen, Körperpflege, Aufstehen aus den Stuhl & Greiffähigkeit) gestellt ;-)

Zu Beginn der Studie lag die durchschnittliche Laufleistung der „LäuferInnen“ bei 4 Stunden/Woche. Nach 21 Jahren reduzierte dich dieser Wert zwar auf 76 min. aber Sie empfanden den Laufsport immer noch als förderlich für die eigene Gesundheit!

Man muss bedenken, dass zu Beginn der Untersuchungszeit die TeilnehmerInnen der „Laufgruppe“ jünger, schlanker und viel häufiger Nichtraucher waren! 

FRAGEBÖGEN:
Die jährlichen Fragebögen (Health Assessment Questionnaire Disability Index (HAQ-DI scored 1-3) diente dazu die körperliche Gesundheit/Fitness bzw. Behinderung auszuwerten.
Dieser Index war in der Kontrollgruppe zu jedem Zeitpunkt höher ( = Ausdauergruppe war fitter) und stieg in beiden Gruppen mit dem Alter an ( = beide Gruppen verschlechterten sich)! Es war jedoch deutlich, dass sich die Kontrollgruppe stärker verschlechterte! Nach 19 Jahren waren in der Ausdauergruppe 15% der TeilnehmerInnen verstorben. In der Kontrollgruppe waren es jedoch bereits 34%
Diese Ergebnisse sind noch beeindruckender, wenn man sich vor Augen führt, dass die Vorteile der Ausdauergruppe selbst bei den TeilnehmerInnen fortbestanden, welche über 90 Jahre alt wurden.



Die wichstigsten Ergebnisse zeigen sehr deutlich, das LäuferInnen vom Ausdauersport in vielfacher Hinsicht profitieren!

In beiden Gruppen entwickelten sich altersbedingte Behinderungen! Bei den LäuferInnen entwickelten diese sich jedoch erst später! Völlig unerwartet wurde festgestellt, dass die altersbedingten Behinderung in der Kontrollgruppe mit der Zeit immer größere Unterschiede zur Untersuchungsgruppe der „LäuferInnen“ aufwies!

Die Auswirkungen auf die Lebenserwartung waren ebenfalls positiver als ursprünglich erwartet! Neben den positiven Effekten auf Herz & Kreislauf und die daraus resultierende geringere Sterblichkeit zeigten sich ähnliche Effekte bei frühem Tod durch Krebs, neurologischen Erkrankungen, Infektionen & anderen Ursachen!

Die Befürchtung, dass Ausdauerlauf langfristig zu einem beschleunigten Gekenkverschleiß, Arthrose und/oder einer Zunahme von Knie-OPs (künstliche Kniegelenke) führen würde, konnten eindrucksvoll wiederlegt werden!

Der Leiter der Studie fasst zusammen,  dass die Gefahren bei „high-impact“ Sportarten, wie Fußball, höher sind und das schmerzfreie geradeaus Laufen keine Risiken


In der Studie gehen die Autoren der wissenschaftlichen Arbeit darauf ein, dass unsere Lebenerwartung durch viele Faktoren (medizinischer Fortschritt, Ernährung) bedingt zunimmt. In der Zukunft müsste man jedoch verstärkt einen Fokus auf dieLebensqualität legen und stellt dieses Thema in den Raum um die Auswirkungen von Ausdauersport zu hinterfragen. Sie diskutieren dabei auch die sogenannte Compression of Morbidity hypothese: Diese besagt, dass durch positiven & gesunden Lebenswandel (z.b regelmäßiger Sport) die körperliche Verfall (Disability) genau wie die Sterblichkeit, zeitlich komprimiert werden! Einfacher ausgedrückt: Wir leben länger & wir sind auch länger fit um die zusätzlichen Lebensjahre nutzen zu können!

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