12.12.17

7G-Marathon I Siebengebirgsmarathon I 42,195km im Tiefkühlfach

frostige Temperaturen I jede Menge Neuschnee I eisige Sturmböen

Der 7G Marathon stand, als Saisonabschlußevent, schon lange in meinem Terminkalender! Dieses Jahr wollte ich den einzigen Marathon im Rhein-Sieg-Kreis endlich einmal über die gesamte Distanz laufen. Da ich im 7G-Cup ebenfalls noch dabei war, sollte das Finale 2017 mit zwei Premieren enden: dem 7G-Marathon & einer kompletten 7G-Cup-Serie. Trotz einer schlechten Wetterprognose und mit dem kölschen Motto: "et hät noch immer jot jejange" fuhr ich am frühen Morgen nach Aegidienberg. Bereits die Anfahrt in die "Rheinischen Alpen" ließ vermuten, dass dies kein ganz normaler Marathontag werden würde. Neuschnee aus der Nacht machte vielen  Anreisenden zu schaffen. Zu diesem Zeitpunkt war mir jedoch noch nicht bewusst welche Herausforderungen heute noch zu bewältigen waren. In diesem Post, vom frostigsten und wahrscheinlich härtesten Siebengebirgsmarathon aller Zeiten, nehme ich euch ein Stück mit auf einen "Lauf im Tiefkühlfach"!



Bildquelle Eventfotografie24




(Fast) alles wie gewohnt;-)
Eigentlich war am Morgen, bis auf den Neuschnee aus der Nacht, alles wie gewohnt;-) Ab 7:00 Uhr morgens konnte man in der "Guten Stube" (Bürgerhaus) des Örtchens Aegidienberg schon Brötchen und heiße Getränke erhalten. Die Parkplatzsuche war schwierig (wie immer), eher noch etwas komplizierter, weil die Halbmarathonis, zahlenmäßig überlegen, viel früher vor Ort waren und die offiziellen Parkplätze bereits besetzt waren. In einer  langen "Prozession" gingen alle LäuferInnen 15 min. vor dem jeweiligen Sart durch Aegidienberg zur Startlinie am Gangpferdezentrum. Dort schauten frierende Ponys in die Augen von frierenden MarathonläuferInnen - keine Ahnung wer mehr Mitleid für den anderen aufbrachte;-) Angeführt von einem Polizeifahrzeug mit Blaulicht lief man, nach dem Startschuß, die ersten Meter zurück über die Hauptstraße bis zum Aegidiusplatz. 


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Yeah - es geht los!  I Bildquelle Eventfotografie24

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Der Bürgermeister der Stadt Königswinter hatte allen vor dem Start noch viel Glück gewünscht und die Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass es nicht zu den anhaltenden Schneefällen, wie in der Wettervorhersage angekündigt, kommen müsse! Es kam jedoch, wie es kommen musste;-) Nach gut 10 Minuten auf der Marathonstrecke nahm der Schneefall deutlich zu und begleitete uns auf der gesamten Strecke.

Stellweg I Bildquelle Eventfotografie24

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eiskalte Cola;-)  I Bildquelle Eventfotografie24


Durch ein "Winterwunderland" zur Löwenburg
Vorerst war jedoch noch alles erträglich und auf den Feldwegen lief es sich deutlich besser als auf den ersten 1,5km Straße. Ab km 3 ging es in das Waldgebiet im Logebachtal und man bekam den ersten Eindruck, warum viele den Siebengebirgsmarathon als einen der schönsten Landschaftsmarathons bezeichnen. Bergauf und Bergab ging es weiter und nach der ersten Versorgungsstelle an der Schmelztalstraße verlief die Strecke über den schnurgeraden Stellweg in Richtung Frühmesseiche. Viele Läufer kannten den Aufstieg in Richtung Löwenburg, da es ein Teilstück des zweiten 7G-Cup Laufs (Lauf zur Löwenburg) war. Ein  Streckenabschnitt, der im Schnee wunderschön wirkte. Was folgte waren weitere Abschnitte, die den erfahrenen Siebengebirgsläufern alle sehr bekannt waren. Einmal um den Lorberg (432m), danach um die Löwenburg (455m) und nach 8km befanden wir uns wieder auf dem Trail bergab zur Frühmesseiche und dem Stellweg.




Es wurde schmerzhaft oder warum kommt das Schneegestöber immer waagerecht von vorne?;-)
Stetig nahm der Schneefall zu! Bereits auf der ersten Hälfte zog ich ich mein Halstuch hoch ins Gesicht um mich vor den eisigen Böen zu schützen. In manchen Abschnitten, wie auf dem Stellweg zurück in Richtung Aegidienberg war man mal etwas geschützter und an anderen Stellen fegten den Läuferinnen die "beschleunigten" Eiskristalle schmerzhaft ins Gesicht! Neben den Witterungseinflüssen war natürlich das bergauf und bergab sehr anstrengend. Insgesamt ging es über 800 positive Höhenmeter! Die Spur durch den Schnee war nicht immer perfekt. Teilweise war es matschig, an anderen Stellen vereist. Wurzeln und Steine waren unter dem Schnee oftmals nur schwer zu erkennen und an den Stellen, an welchen der Schnee besonders hoch lag war das Laufen entsprechend anstrengend! 


Bildquelle Eventfotografie24

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Sturmböen und Schneeverwehungen
Hinter Aegidienberg und der Halbmarathon-Marke ging es in den südlichen Teil des Siebengebirges rund um den Himmerich (366m) und Leyberg (358m). Die "Gipfel" wurden etwas niedriger aber die Sturmböen und Schneeverwehungen wurden grausamer! Tolle Landschaften im Schnee, wenn man seine Augen offenhalten konnte oder das Schneegestöber mal etwas abflaute. Etwas mulmig wurde einem bei den heftigsten Böen schon und ein banger Blick ging hoch zu den Baumspitzen und schaukelnden Ästen.


Halbe Strecke gleiche Bedingungen;-)
Den Halbmarathonis ging es im Verlauf ihres Wettbewerbs ähnlich schlimm! Eine Stunde vor dem Marathon ging es für sie ins Winterwunderland Siebengebirge!
Anita Horn berichtet auf ihrem Blog AHORNZEIT von Ihrem 7G-Abenteuer:

http://www.ahornzeit.de/2017/12/10/dat-war-schnee-7gebirgs-halbmarathon-im-winter-wonderland/ 


Perfekte Teamleistung!
Die Betreuung und Versorgung auf der Strecke war trotz aller Widrigkeiten jederzeit 1a. Unter diesen schwierigen Bedingungen hatte der Veranstalter, die vielen freiwilligen Helfer, Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienste einen tollen Job erledigt! Auch an dieser Stelle ein großes DANKESCHÖN! Ihr seid Helden:-)


Die wunderbaren Bilder stammen vom Team Eventfotografie24, die heldenhaft und über Stunden dem Schneetreiben getrotzt haben (Thorsten: Du warst aber in der Halle - oder? ;-))


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Heute im Angebot: gefrorene Bananen:-) Bildquelle Eventfotografie24

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Déjà-Vua uf den Rheinhöhen(lauf)wegen
Hinter km 28 überquerten wir die Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz und das nächste  Déjà-Vu wartete auf die 7G-Cup LäuferInnen. Diese Streckenabschnitte quälten schon so manchen Halbmarathoni beim dritten Lauf (Rheinhöhenlauf) des 7G-Cups. Diesmal war es noch schlimmer;-) Die Schneeauflage war, in diesem Teil der Strecke, definitiv am höchsten. Einen Teil dieses Streckenabschnitts musste ich alleine bewältigen, weil ich an der Verpflegungsstelle bei km33 MitläuferInnen (bei Tee oder Glühwein;-)? zurückgelassen hatte bzw. andere am langen Anstieg schneller "davongezogen" waren. Es wurde nun richtig grausam;-) Zum einen quälte mich der eisige Wind, zum zweiten ging es unbarmherzig die längste Steigung der Strecke bergauf und als ob das alles noch nicht genug Strapaze war, wurde die Sicht schlechter. Es waren zu dieser Zeit knapp 45 LäuferInnen vor mir, aber ihre Spuren konnte ich im Schnee nicht mehr oder nur wenig erkennen. Mental war dies der schlimmste Abschnitt! Ich hoffte vor jeder Abzweigung, dass ein Streckenposten oder eine eindeutige Markierung (noch) vorhanden war und kämpfte mich durch das Schneegestöber. Glücklicherweise waren die Markierungen tatsächlich alle vorhanden;-) Im allerletzten Stück des Anstiegs (km 36) in Richtung Asberg (441m) musste ich dann eine kurze  "Walking-Einheit" eingelegen und wurde von nachfolgenden LäuferInnen eingeholt.





Bildquelle Eventfotografie24


Von nun an lief es wieder etwas besser. In der Gruppe fühlte es sich definitiv sicherer an und eigentlich waren es ja "nur" noch 6km. Die Gruppe löste sich mit der Zeit zwar wieder auf und hier und da begegnete man einzelnen LäuferInnen. Ein kurzer Blick ins andere Gesicht verriet, dass heute jede(r) auf seine eigene Weise kämpfen musste. Den meisten machte die Kälte zu schaffen. Bei mir hatten die Trailschuhe bisher gute Dienste geleistet aber auf den letzten Kilometern war alles nass und  meine Füße fühlten sich wie Eisklumpen an.
 

Nur noch ein kurzer Hügel vor dem Örtchen Himberg musste bei km 40 bewältigt werden und dann leicht bergab oder flach die letzten 2km ins Ziel. So war mein hoffnungsvoller Gedanke kurz vor Himberg!

Wirtshaus Himberg I Bildquelle: Eventfotografie24

Schlimmer geht immer!
Als wir die Ortsstraße erreichten wurde mir jedoch schnell bewusst, dass die schlimmsten 2km Strecke noch vor uns lagen. Die Straßen und Gehwege waren nicht geräumt und 15-20cm Schnee machten das Laufen zur Strapaze. Im Gegensatz zum Waldweg hatte man auf Asphalt einen schlechteren Grip. Wahrscheinlich war der Untergrund vereist, denn das Laufen fühlte sich an wie: „Einen dynamischen Schritt nach vorn & und rutschend einen halben Schritt zurück - anstrengend! Die letzten Meter bis zum Bürgerhaus waren noch ein Marathon für sich;-)


Puh! - 03:46:46h I Bildquelle Eventfotografie24

Am Ende war dann doch wieder alles wie immer;-) Glücklich über die Ziellinie - diesmal in der warmen Halle & nach kurzer Zeit war der Schmerz vergessen! Einfach nur Glückseligkeit bei einer Tasse Tee & Brühe!!!

Bei aller Strapazen - es war ein einmaliges Erlebnis. Ich hatte mich bereits darauf eingerichtet, dass der 7G Marathon, aufgrund der Unwetterwarnung, abgesagt würde. Ich wollte jedoch unbedingt laufen und habe mich auf das Wagnis "Marathon im Tiefkühlfach" hochmotiviert eingelassen. Das jemand auch noch das "Gebläse" auf volle Kraft einstellen musste, hat das ganze zur ultimativen Challenge werden lassen. Noch einen Tag zuvor hatte eine Freundin geschrieben: "Viel Erfolg! Ohne Schnee kann doch jeder Marathon!"

In diesem Sinne - "Challenge accepted & Mission completed"!

7G Marathon & 7G Cup-Serie absolviert - Yeah!


Strecke 7G-Marathon & Höhe (m) Garmin FR235


Bildquelle Eventfotografie24

"Das war sicherlich der härteste 7G-Marathon"! Volker muss es wissen. Er ist alle 18 gelaufen;-) Bildquelle:Eventfotografie24
 



Termine: 
Der nächste Siebengebirgsmarathon & Halbmarathon findet nächstes Jahr im Dezember natürlich wieder bei Wind & Wetter statt. Mehr Infos: http://www.tripower-rs.de/7g-marathon/

Der  nächste Lauf im Rhein-Sieg-Kreis findet am 04. Februar.2018  in  Königswinter  mit dem 15-km-Lauf zur Insel Grafenwerth statt! Mehr Infos: http://www.insellauf.de/




  
Eine (voll)ständige Übersicht über die Laufevents in Bonn & im Rhein-Sieg-Kreis findet Ihr auf der-laufgedanke Laufkalender Bonn I Rhein-Sieg



Bis bald

Kommentare:

  1. :-) - super nett zu lesen - und ja, ich hatte den angenehmsten Platz - ausnahmsweise. Wir sehen uns beim Insellauf!

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  2. Sehr schön geschrieben. Und ich kann mich nur wiederholen. Respekt für diese Leistung

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  3. Super, da friert man ja mit beim lesen des Berichtes.
    Kannst jetzt bei Bofrost im Lager anfangen!!!

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    1. Olá Josef, deswegen hab ich den Kamin angemacht beim lesen. Schöne Grüße Carlos������

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  4. Hallo Jörg.....Respekt für diese Leistung und den tollen Bericht, sowie die Bilder, Glückwunsch! Hoffe wir sehen uns beim Insellauf am 04.02.1018! Gruß Thorsten Pusdrowski

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  5. Oha,Dann ist ja der Arktis-Marathon gesetzt :-) Der ist ja nichts gegen das, was du (ihr) da mitgemacht habt. Und dann noch diese Zeit. Respekt, sagenhafter Bericht, nicht mal "unterkühlt" geschrieben ;-)
    Wiebke und Ludger

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  6. Hallo Jörg,
    dein Bericht gefällt mir sehr gut. Mir ging es fast genauso wie dir, nur viel viel länger!!!!! Mein Dank gilt vor allem auch den Helfern und dem Orga-Team.
    Außerdem habe ich mir deine Internet-Präsentation angesehen: gefällt mir ebenfalls sehr gut. Deine Tochter hatte eine wirklich gute Idee, super!
    Dann sehen wir uns vermutlich beim Insellauf. Eine schöne und erlebnisreiche Weihnachtszeit wünscht dir Ricarda

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