Dublin
stand schon so lange auf meiner Marathon-Wunschliste. Doch einen Startplatz in
der irischen Hauptstadt zu ergattern, war alles andere als einfach. Immer
wieder hatte ich mein Glück bei der Verlosung versucht, doch das Losglück war
mir bislang nicht hold gewesen. Im
vergangenen Jahr erfuhr ich dann, dass das Vergabesystem geändert werden
sollte. Bis dahin waren vor allem diejenigen bevorzugt worden, die bereits in
Dublin gelaufen waren oder im Vorjahr teilgenommen hatten. Nun wollte man auch
neuen Läuferinnen und Läufern die Chance geben, diesen besonderen Marathon zu
erleben. Als
im Januar schließlich die Zusage kam und ich tatsächlich einen der begehrten
Startplätze gewonnen hatte, war die Freude riesengroß. Endlich Dublin! Irland
hat für mich ohnehin einen ganz besonderen Reiz. Vor allem der wilde, raue
Westen des Landes hat es mir angetan. Schon lange träume ich davon, irgendwann
wieder mehr Zeit auf dieser wunderschönen Insel zu verbringen, ihre
Landschaften zu genießen und das Land noch intensiver kennenzulernen. Aber
auch ein Wiedersehen mit der irischen Hauptstadt kam mir mehr als gelegen. Und
wenn sich das Ganze dann noch mit einem Marathon verbinden lässt – umso besser!

Ein frostiger Start unter irischer
Sonne
Pünktlich zum Marathontag zeigte
sich das Wetter in Dublin zunächst von seiner besten Seite. Die Sonne strahlte
von einem nahezu wolkenlosen, tiefblauen Himmel. Eigentlich perfekte
Voraussetzungen für einen Marathon – wäre da nicht dieser eisige Wind gewesen!
Von Samstag auf Sonntag waren die Temperaturen deutlich gefallen. Besonders am
frühen Morgen sorgte ein kräftiger, unangenehm kalter Wind dafür, dass man
trotz des Sonnenscheins ordentlich fröstelte.
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| Vorstellung des Höhenprofils auf der Marathon Expo! |
Die Wettervorhersage vom Veranstalter meldete:
"Sonntag in Dublin: kühl, trocken und den ganzen Vormittag
ein starker Westwind – 37 bis 39 km/h, mit Böen, die bis zu 85 km/h erreichen
können. Fünf Wettermodelle sind sich einig, dass es windig wird; sie
unterscheiden sich lediglich in der Intensität. Auf den ersten 11 Kilometern
bis zum Phoenix Park hast du den Wind direkt von vorne, während er dir zwischen
Kilometer 24 und 37 größtenteils im Rücken sitzt. Achte zu Beginn eher auf
deine Anstrengung als auf das Tempo. Schließ dich einer Gruppe an. Und wenn der
Wind im Rücken weht: Gib Gas!"
Auf dem Weg zum Startbereich ging
es teilweise durch breite, schattige Straßenzüge, durch die der Wind
ungehindert hindurchfegte. Kein Wunder also, dass viele Läufer unterwegs immer
wieder kleine Pausen einlegten, sobald sich irgendwo ein sonniges und möglichst
windgeschütztes Plätzchen fand. Die Strategie war offensichtlich: bloß nicht zu
früh im Startblock stehen und dort unnötig frieren! Von der Gepäckabgabe im Eingangsbereich des Startgeländes sollte es laut Auschilderung und je nach Startblock bis zu 25 min. Fußweg sein;-)
Trotzdem ließ mir auf dem Weg
zur Startlinie auch etwas Zeit, wenn sich ein sonniges und windgeschütztes Plätzchen anbot. Selten zuvor war
ich bei einem Marathon derart auf den letzten Drücker am Start erschienen.
Während ich mich gemeinsam mit zahlreichen anderen Läufern meines Startblocks
von hinten dem Feld näherte, fiel vorne bereits der Startschuss. Kaum hatten
wir uns eingereiht, setzte sich das Läuferfeld auch schon in Bewegung. Wenige
Augenblicke später passierten wir den Startbogen und liefen hinein in die Straßen
von Dublin. Keine lange Wartezeit, kein nervöses Herumstehen, kein unnötiges
Frieren – einfach ankommen und loslaufen. Eigentlich gar nicht schlecht!
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| Streckenverlauf |
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| Startlinie |
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| Bildrechte: finisherpix |
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| Bildrechte: RTE.ie |
Durch Dublins City – vorbei an
Geschichte und Guinness
Die ersten Kilometer führten uns
mitten durch das historische Viertel "The Liberties" im Zentrum der irischen Hauptstadt. Zunächst passierten wir die große Parkanlage des St. Stephen´s Park, bevor sich die Strecke allmählich aus den flacheren Straßen
der City in etwas hügeligeres Gelände hinaufzog. Vorbei an der imposanten St.
Patrick’s Cathedral ging es anschließend wieder bergab in Richtung River
Liffey, jenem Fluss, der Dublin in einen nördlichen und einen südlichen Teil
trennt. Kurz bevor wir das Flussufer erreichten, passierten wir noch einen ganz
besonderen Ort: den ältesten Pubs Dublins (The Brazen Head). Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass ich genau hier am Abend mein letztes Guinness des
Tages genießen und dazu ein ausgesprochen leckeres Irish Stew essen würde. Aber
das ist eine andere Geschichte! Zunächst standen schließlich noch einige
Kilometer auf dem Programm. Genauer gesagt: fast die gesamte Marathondistanz.
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| St. Patrick’s Cathedral |
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| St. Audoen´s Churches |
Am südlichen Ufer der Liffey
liefen wir entlang des Merchant’s Quay, überquerten anschließend eine der
Brücken und setzten unseren Weg auf der nördlichen Flussseite über den Inns
Quay fort. Dabei kamen wir auch an den beeindruckenden Four Courts vorbei, einem
der bekanntesten historischen Gebäude Dublins und einem bedeutenden Zentrum der
irischen Justiz. Ein imposanter Anblick, der mich zumindest für einen kurzen
Moment vergessen ließ, dass ich mich gerade mitten in einem Marathon befand.
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| "The Liberties" (Bildrechte: finisherpix) |
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| Four Courts |
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| O´Donovan Rossa Bridge |
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| Four Courts |
Stoneybatter und Phoenix Park –
zwischen Irish Spirit und eisigem Gegenwind
Nachdem wir das unmittelbare
Stadtzentrum hinter uns gelassen hatten, führte die Strecke weiter in Richtung
Stoneybatter. Und hier war plötzlich wieder richtig was los! Entlang der Hauptstraße
standen zahlreiche Zuschauer, rechts und links reihten sich die typisch
irischen Pubs aneinander, und überall wurden wir mit lautstarkem Jubel
empfangen. Die Menschen klatschten, riefen uns aufmunternde Worte zu und
sorgten für eine großartige Atmosphäre. Genau so hatte ich mir die Stimmung bei
einem Marathon in Irland vorgestellt! Es war ein erster Vorgeschmack auf jenen
besonderen Irish Spirit, der mich im weiteren Verlauf noch mehrfach begeistern
sollte. Denn der Dublin Marathon lebt von seinen Gegensätzen. Einerseits führt
die Strecke durch weitläufige Parkanlagen, ruhige Wohnviertel und über längere
Straßenabschnitte, an denen sich nur vereinzelt Zuschauer einfinden.
Andererseits gibt es immer wieder regelrechte Stimmungshochburgen, in denen die
Begeisterung kaum Grenzen kennt. In den sogenannten Cheering Zones sorgen
Livemusik, DJs und zahlreiche Zuschauer für ordentlich Betrieb. Dieser Wechsel
zwischen ruhigeren Passagen und ausgelassener Stimmung sollte sich als einer
der besonderen Reize des Dublin Marathons erweisen.
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| Arran Quay |
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| Stoneybatter |
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| North Circular Road |
Von Stoneybatter aus ging es
weiter auf die North Circular Road, eine lange, von Bäumen gesäumte Straße.
Schon aus einiger Entfernung konnte ich zwischen den Alleebäumen einen riesigen
Obelisken erkennen, der sich eindrucksvoll über die Umgebung erhob: das
Wellington Monument im Phoenix Park. Mit jedem Schritt rückte das Monument
näher, bis wir schließlich eines der Eingangstore zum Park erreichten. Der
Phoenix Park ist der größte ummauerte Stadtpark Europas. Und dass
diese Parkanlage tatsächlich gewaltige Ausmaße besitzt, sollten wir auf den
folgenden Kilometern noch ausgiebig erfahren. Die Strecke zog sich lange durch
das weitläufige Grün. Immer wieder öffneten sich großzügige Sichtachsen,
während wir uns Schritt für Schritt durch die Parklandschaft arbeiteten.
Landschaftlich war das durchaus reizvoll. Läuferisch allerdings nicht ganz so
entspannt, wie man es sich vielleicht wünschen würde.
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| Phoenix Park |
Denn bis hierhin hatten wir
bereits einige Höhenmeter gesammelt. Besonders die ersten zehn bis zwölf
Kilometer waren von Steigungsabschnitten geprägt. Dazu kam
der kalte Wind, der uns auf weiten Teilen der Strecke direkt entgegenblies. Eine
Kombination, die nicht unbedingt für Begeisterung sorgte. Ich war jedenfalls
ausgesprochen froh darüber, dass ich mich am Morgen entschieden hatte, unter
meinem Laufshirt noch ein Langarmshirt anzuziehen. Trotz der Sonne war es im
Wind empfindlich kalt, und die zusätzliche Kleidung erwies sich als
goldrichtig. Schließlich verließen wir den Phoenix Park in Richtung
Castleknock. Die anstrengenderen Anstiege des ersten Streckenviertels lagen nun
weitgehend hinter uns, und die Strecke begann leicht abzufallen. Darüberhinaus hatten wir nun Rückenwind! Endlich ließ
sich wieder etwas entspannter laufen!
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| Phoenix Park |
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| Bildrechte: finisherpix |
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| Phoenix Park |
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| Phoenix Park |
Historische Mauern und vier
Jahreszeiten in wenigen Kilometern
Im weiteren Streckenverlauf ging
es zurück in Richtung der südlichen Stadtgebiete. Dabei passierten wir mit dem
ehemaligen Gefängnis Kilmainham Gaol einen weiteren geschichtsträchtigen Ort
Dublins. Der imposante historische Gefängniskomplex beherbergt heute ein Museum
und diente bereits mehrfach als Kulisse für Filmproduktionen. Dahinter führte uns die Strecke am Richmond Gate vorbei, einem weiteren historischen
Bauwerk, das einst den Zugang zu einem Krankenhauskomplex markierte. Während ich
die historischen Sehenswürdigkeiten noch bei weitgehend freundlichem Wetter
passieren konnte, kündigte sich am Horizont bereits eine Veränderung an.
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| "god save the volunteers" |
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| ehemaligen Gefängnis Kilmainham Gaol |
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| Richmond Gate |
Hinter
uns und seitlich der Strecke schien weiterhin die Sonne vom blauen Himmel. In
Laufrichtung dagegen türmten sich zunehmend dunkle, mächtige Wolken auf. Das
sah zunächst gar nicht gut aus. Bis zur Halbmarathonmarke
blieben wir noch trocken. Doch kurz nachdem ich die Hälfte der Marathondistanz
hinter mich gebracht hatte, erreichten uns die ersten Regentropfen. Aus dem
herrlichen Sonnenschein wurde innerhalb kurzer Zeit ein unangenehmer Nieselregen.
Typisch irisch eben! Über etwa vier bis fünf Kilometer begleitete uns die
kleine Regenfront. Zwischenzeitlich verdichteten sich die Wolken derart, dass
ich schon befürchtete, der restliche Marathon könnte zu einer ziemlich grauen
und ungemütlichen Angelegenheit werden. Doch Dublin hatte offenbar andere
Pläne. Nach ungefähr 15 bis 20 Minuten begann die Wolkendecke bereits wieder
aufzureißen. Wenig später wurde es zunehmend freundlicher, und schließlich
zeigte sich der Himmel erneut in einem beinahe makellosen Blau. Sonne, Wind,
Kälte, Regen und wieder Sonne – alles innerhalb kürzester Zeit. Irischer konnte
das Wetter kaum sein!
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| Corkagh Road (Halbmarathon) |
Wie lokal begrenzt dieser kleine
Regenschauer tatsächlich gewesen war, erfuhr ich allerdings erst nach dem
Marathon. Als ich meine Frau später fragte, ob sie in der Dubliner Innenstadt
ebenfalls nass geworden sei, schaute sie mich völlig verwundert an. „Nass
geworden? Wieso? Bei uns hat es überhaupt nicht geregnet!“ Offenbar hatten wir
Läufer unterwegs unsere ganz eigene kleine Wetterzone erwischt!
Die zweite Hälfte – Dublin zeigte seine
hügelige Seite
Nach der Halbmarathonmarke
veränderte sich der Charakter der Strecke spürbar. Die breiten Straßen und
großen Parkanlagen der ersten Hälfte wichen zunehmend Wohngebieten, in denen es
stellenweise deutlich ruhiger zuging. Die großen Zuschauermengen der Innenstadt
lagen zunächst hinter uns, und auf dem Weg in Richtung Bushy Park wurde auch
das Streckenprofil wieder anspruchsvoller. Dublin zeigte sich nun von seiner
hügeligeren Seite. Zwar gab es keine wirklich alpinen Herausforderungen zu
bewältigen, doch die immer wieder eingestreuten Steigungen kosteten zunehmend
Kraft. Gerade auf der zweiten Marathonhälfte merkt man schließlich jeden
zusätzlichen Höhenmeter. Ich versuchte deshalb, möglichst gleichmäßig
weiterzulaufen, meinen Rhythmus beizubehalten und mich von den wechselnden
Streckenverhältnissen nicht aus der Ruhe bringen zu lassen.
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| Corkagh Road |
Je näher wir der
30-Kilometer-Marke kamen, desto häufiger tauchten auch wieder größere
Zuschauergruppen auf, die uns mit Musik, lautstarken Anfeuerungsrufen und jeder Menge
Begeisterung zusätzliche Energie für die bevorstehenden schwierigen Kilometer
mitgaben. Und die konnten wir durchaus gebrauchen. Denn langsam rückte eine der
besonderen Herausforderungen des Dublin Marathons näher.
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| Bildrechte: finisherpix |
Heartbreak Hill – die Herausforderung
kommt zum Schluss
Nachdem wir auch den Bereich des
Elm Park passiert hatten, wartete mit dem sogenannten Heartbreak Hill ein
Streckenabschnitt auf uns, dessen Name bereits einiges erahnen ließ. Natürlich
musste ich dabei sofort an den berühmten Heartbreak Hill beim Boston Marathon
denken. Und tatsächlich gibt es gewisse Ähnlichkeiten. Auch in Dublin handelt
es sich nicht um einen einzigen gewaltigen oder besonders steilen Anstieg.
Vielmehr ist es eine unangenehme Abfolge kleinerer Steigungen, die vor allem
aufgrund ihrer Lage im Streckenverlauf so kräftezehrend werden. Denn inzwischen
befanden wir uns jenseits der 30-Kilometer-Marke. Genau in jener Phase eines
Marathons, in der die Beine allmählich schwerer werden, die Energiereserven
schwinden und selbst vergleichsweise harmlose Steigungen plötzlich erstaunlich
lang erscheinen können. Was sich auf den ersten Kilometern noch locker und
problemlos laufen lässt, verlangt einem jetzt deutlich mehr ab.
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| "Heartbreak Hill" |
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| "Top of the Heartbreak Hill" |
Zwischen Kilometer 30 und 36
bekamen wir das noch einmal recht eindrucksvoll zu spüren. Immer wieder ging es
leicht bergauf. Keine dramatischen Anstiege, aber eben auch keine Strecke, auf
der man einfach mühelos dahinrollen konnte. Jetzt hieß es, die Kräfte gut
einzuteilen, den eigenen Rhythmus zu finden und sich nicht von jeder weiteren
Bodenwelle aus dem Konzept bringen zu lassen. Zum Glück wusste ich, dass
irgendwann auch der letzte dieser Anstiege hinter mir liegen würde. Und
tatsächlich: Nachdem wir die schwierigeren Kilometer überstanden hatten, zeigte
sich das Streckenprofil endlich wieder von seiner angenehmeren Seite. Die
folgenden Abschnitte fühlten sich überwiegend leicht abschüssig an.
Die letzten Kilometer – eine unglaubliche Jubelmeile bis zum Ziel
Langsam näherten wir uns wieder dem Stadtzentrum. Etwas unromantisch folgten wir der N11, einer breiten Straße mit Autoverkehr. Glücklicherweise war dieser Abschnitt nur sehr kurz. Wir passierten größere Sportanlagen und den Veranstaltungskomplex RDS Halls, wo die Marathon Expo stattgefunden hatte. Spätestens jetzt wurde mir bewusst, dass es tatsächlich nicht mehr weit bis zum Ziel sein konnte. Die Strecke führte nun weitgehend geradlinig über die Merrion Road in Richtung Merrion Square, in dessen Nähe sich auch der Zielbereich befand. Und was uns auf diesen letzten Kilometern erwartete, war großartig. Aus den zuvor teilweise recht ruhigen Straßen wurde plötzlich eine nahezu endlose Jubelmeile. Die Zuschauer standen dicht an dicht am Straßenrand, klatschten, jubelten und feuerten uns mit einer Begeisterung an, die kaum zu überbieten war. Überall wurden Namen gerufen, Hände in die Luft gestreckt und die Läufer förmlich in Richtung Ziel geschrien. Nach den anstrengenden Hügeln und den ruhigeren Passagen der zweiten Marathonhälfte war das noch einmal ein unglaublicher Motivationsschub. Ich konnte förmlich spüren, wie die Energie der Zuschauer auf uns übersprang. Natürlich waren die Beine inzwischen müde. Nach mehr als 40 Kilometern lässt sich das schließlich nicht mehr wegdiskutieren. Aber angesichts dieser fantastischen Stimmung rückte die Erschöpfung zumindest für einige Augenblicke in den Hintergrund. Stattdessen machte sich immer mehr Vorfreude breit. Das Ziel war zum Greifen nah!
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| Merrion Road |
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| Northumberland Road (Bildrechte: finisherpix) |
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| Warrington Place (Bildrechte: finisherpix) |
Kurz vor dem Ziel folgten im Bereich des Warrington Place noch zwei rechtwinklige Richtungswechsel. Danach war endgültig klar: Jetzt konnte wirklich nicht mehr viel kommen! Die historischen Gebäude rund um den Merrion Square und die Pepper Canister Church rückten ins Blickfeld, und mit jedem weiteren Schritt wurde die Atmosphäre noch eindrucksvoller.
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| Zieleinlauf |
Eine kleine
Besonderheit hatte sich der Dublin Marathon allerdings bis ganz zum Schluss
aufgehoben. Während man bei vielen anderen großen Marathonveranstaltungen über
einen roten Teppich ins Ziel läuft, ist dieser in Dublin
tatsächlich lila. Passend zu den ebenfalls lilafarbenen Trikots und der
Markenfarbe des Hauptsponsors Irish Life.
Links und rechts jubelten die Zuschauer, die Stimmung war fantastisch, und
inzwischen hatte sich sogar die Sonne wieder vollständig durchgesetzt. Was für
ein Gegensatz zu den kalten, windigen Morgenstunden und dem kleinen
Regenschauer nach der Halbmarathonmarke!
Noch ein paar Schritte, ein
letzter Blick auf den Zielbogen – und dann war es geschafft. 42,195
Kilometer durch Dublin lagen hinter mir! Ein
großartiges Gefühl und ein Zieleinlauf, der mir noch lange in Erinnerung
bleiben wird.
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| Bildrechte: finisherpix |
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| Im Hintergrund die Pepper Canister Church |
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| Bildrechte: finisherpix |
Mein Fazit: Dublin kann Marathon!
Ein
eisiger Wind, strahlender Sonnenschein, ein kurzer irischer Regenschauer,
anspruchsvolle Hügel und eine unglaubliche Stimmung entlang der Strecke: Der
Dublin Marathon hatte einiges zu bieten. Ein Marathon mit Charakter, eine wunderbare Stadt,
begeisterungsfähige Zuschauer und ein Zieleinlauf, den ich so schnell nicht
vergessen werde........
...... und dass der Tag später noch bei
einem Guinness und einem leckeren Irish Stew im einem der ältesten Pubs der
Stadt ausklingen sollte, machte die Sache natürlich auch nicht schlechter - Sláinte!
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| Medallie 2026 - Liffey River |
Weitere Informationen über dieses Event findet Ihr auf der Homepage des Dublin Marathon:irishlifedublinmarathon.ie
Bis bald!
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