17.03.26

Drei Runden Circuit de Spa-Francorchamps | Ein Halbmarathon zwischen Eau Rouge, Raidillon und ausdauerndem Schneefall

Der Circuit de Spa-Francorchamps in den belgischen Ardennen gilt als eine der spektakulärsten Rennstrecken der Welt. Mit 7,004 km Länge und 19 Kurven ist er die längste Strecke im aktuellen Formel-1-Kalender. Charakteristisch sind die großen Höhenunterschiede sowie das Wechselspiel aus langen Geraden und Hochgeschwindigkeitskurven. Seit rund zehn Jahren „läuft“ es auch auf dieser herausfordernden Strecke. Die Organisation Hardloop Events bietet im Frühjahr ein großes Laufevent mit unterschiedlichen Distanzen (7 km, 14 km, Halbmarathon und Marathon) an. Vieles erinnerte an die legendäre Laufveranstaltung auf dem Nürburgring – den Halbmarathon durch die „Grüne Hölle“ –, die Jahr für Jahr Tausende Läufer:innen in die Eifel gelockt hatte. Diese besondere Atmosphäre hat der Circuit de Spa-Francorchamps erfolgreich übernommen und ist selbst bei widrigen Wetterverhältnissen ausgebucht.




Im letzten Jahr hatte ich mich bereits angemeldet, aber unglücklicherweise den Renntag im Kalender auf Sonntag statt Samstag eingetragen. So kam es dazu, dass ich am Samstagabend auf dem heimischen Sofa Bilder eines fantastischen Laufevents bei strahlendem Sonnenschein auf dem Circuit de Spa-Francorchamps entdeckte – und mir sofort bewusst wurde, dass ich etwas Großartiges verpasst hatte.

 

In diesem Jahr gab es natürlich einen neuen „Anlauf“. Sicherheitshalber hatte ich mir auch eine Unterkunft – diesmal am richtigen Vorabend – im nahegelegenen Malmedy gebucht. Statt herrlichem Sonnenschein hatte allerdings eine Kaltfront mit anhaltendem Schneefall die Ardennen in ein echtes „Winter Wonderland“ verwandelt.




 

Der Circuit de Spa-Francorchamps fühlte sich, bei meinem ersten Besuch, ganz anders an als in den Fernsehbildern der Formel 1. Statt brüllender Motoren standen Läufer:innen an der Startlinie auf der breiten Start-Ziel-Geraden, eingehüllt in Regenjacken und Caps. Auf dem Weg dorthin ging es durch die Paddocks, also den Boxenbereich, der während eines Formel-1-Rennens der Technik-Crew vorbehalten ist.

 


Vor dem Start


Start im Schneegestöber (Bildquelle: Fotos Hardloop Events)

Moderation & Anfeuerung aus der Boxengasse (Bildquelle: Fotos Hardloop Events)




Der Startschuss für den Halbmarathon (3 Runden) fiel pünktlich um 11:00 Uhr, und das Rennen auf dem Asphalt einer der berühmtesten Rennstrecken der Welt war eröffnet. Eine halbe Stunde zuvor waren bereits die Marathonläufer:innen (6 Runden) gestartet, und nach uns sollten noch die Teilnehmer:innen der 7-km- (1 Runde) und 14-km-Distanz (2 Runden) folgen.



Bergab zur "Eau Rouge" und bergauf  "Raidillon"


 Nach den ersten Metern führte die Strecke leicht bergab zur bekannten Haarnadelkurve La Source. Hier, wo Formel-1-Autos normalerweise hart abbremsten und sich durch den engen Radius zwängten, waren die Läufer:innen noch dicht beisammen, während sie durch die legendäre Kurve liefen. Danach begann sofort das Gefälle hinunter ins Tal. Unten angekommen wartete die wohl berühmteste Passage der Strecke: Eau Rouge und Raidillon. Im Motorsport wird diese Kombination mit unglaublichem Tempo durchfahren, doch im Laufschritt zeigte sich ihre wahre Schwierigkeit. Nach einer leichten Linksbiegung begann der brutale Anstieg von Raidillon. Viele Läufer:innen verkürzten ihre Schritte, während der Puls sofort nach oben schnellte. Oben auf der Kuppe wurde kurz durchgeatmet – doch wirklich flach wurde es auch dort nicht.






 

Raidillon

Kemmel Straight


Es folgte die lange Kemmel-Gerade, die sich lang durch die Wälder der Ardennen zieht. Hier fahren Rennwagen über 300 km/h und kämpfen im Windschatten um Positionen. Für die Läufer:innen bedeutete dieser Abschnitt vor allem eines: Strecke machen. Die Schneeflocken fielen dichter, und der kalte Wind wehte über die offene Gerade.



Les Combes

Bruexelles - Double Gauche (Pouhon)


 Am Ende der Geraden wurde die Strecke kurviger und begann leicht zu fallen. Mehrere Richtungswechsel führten hinunter in einen tieferen Streckenabschnitt. Dort erreichte man schließlich Pouhon, eine lange, fließende Doppel-Linkskurve. Im Rennsport gilt sie als Mutkurve mit enormen Querkräften. Als Läufer:In merkte man vor allem, wie lang sich dieser Bogen zieht;-)




Les Fagnes voraus!


 

Im letzten Teil jeder Runde wurde es immer wieder anstrengend. Über Stavelot öffnete sich die Strecke, führte jedoch langgezogen bergauf. Schließlich näherte man sich Blanchimont, einer langen, schnellen Linkskurve. Im Motorsport wird sie nahezu ohne Bremsen gefahren. Für die Läufer:innen war hier im Steigungsbereich jedoch kaum an Tempo zu denken. Immerhin war der Start- und Zielbereich bereits auf der Höhe zu erkennen/hören.



Chicane


Doch vor dem Ende wartete noch einmal eine „technische Passage“: die sogenannte Bus-Stop-Schikane vor der Zielgeraden. Rennfahrer müssen hier hart bremsen, und auch für die Läufer:innen wurde der Rhythmus – am Ende der Steigung – kurz unterbrochen.



Chicane

 

Mit jeder Runde wurde das Wetter etwas rauer. Während der folgenden Runden fiel weiterhin Schnee, und der Asphalt blieb nass und kalt. Besonders bei den erneuten Anstiegen über Eau Rouge und Raidillon zeigte sich, wie anspruchsvoll das Höhenprofil dieser Strecke wirklich war. Dort, wo Rennwagen mit Vollgas den Berg hinaufstürmen, kämpften Läufer:innen mit der Steigung und ihren zunehmend müden Beinen.

 

Nach drei Runden hatte sich das Wetter weiter verschlechtert. Der Schnee ging allmählich in Schneeregen über, der kalt auf Gesicht und Kleidung traf. Die Strecke glänzte nass im grauen Licht. Nach den letzten Metern durch die Bus-Stop-Schikane öffnete sich die Zielgerade ein letztes Mal. 




Bildquelle: Hardloop Events


Im Boxenbereich endete der Halbmarathon nach drei Runden und 21,1 Kilometern!

Erschöpft, durchnässt, aber mit dem besonderen Gefühl, eine der legendärsten Rennstrecken der Welt aus eigener Kraft dreimal umrundet zu haben.






Weitere Informationen zu diesem tollen Laufevent findet Ihr auf der Homepage des Veranstalters:

 

https://hardloop.events/



Bis bald



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