02.04.26

DE ZESTIG VAN TEXEL - 60km Texel | Strand - Wald - Düne - Deich - Watt - Dorf - Berg

 

Bei meinen bisherigen Laufevents in den Niederlanden hatte ich bereits (fast) alles erlebt. Was mir jedoch noch fehlte, war der erste Ultramarathon in unserem Nachbarland. 2024 war ich bereits auf Texel und startete beim legendären Halbmarathon. Bei dieser Veranstaltung entstand auch die Idee, einmal „Rund um Texel“ zu laufen. Der „Zestig van Texel“ ist ein anspruchsvoller Ultramarathon über 60 km (optional auch 120 km | 2 Runden), der rund um die Insel führt. Die Strecke verläuft über Strand, Dünen, Deiche und Straßen und fordert die Teilnehmer:innen durch wechselnden Untergrund sowie Wind und raues Wetter. Der Lauf findet alle zwei Jahre statt und zählt zu den bekanntesten und härtesten Ultraläufen der Niederlande.





Der 60km Ultralauf auf Texel zeigte am Sonntag viele Gesichter: Er begann als milder Frühlingstag – schönes Wetter für die noch frischen Ultraläufer – endete jedoch in bitterer Kälte und starkem Wind und wurde so zu einem wahren Ausdauerlauf. Rekorde und Enttäuschungen, Lachen und Tränen – ein „echter Texel-Lauf“.

(aus: Texelse Courant)

 


Der Ultra führte in einer großen Schleife um die Insel und verband dabei nahezu alle charakteristischen Landschaften Texels. Der Start erfolgte im Süden nahe dem Fährhafen bei ’t Horntje. Das Wetter war nahezu perfekt: strahlender Sonnenschein bei 10 Grad, die sich wärmer anfühlten. Der Wind war zunächst noch mäßig, doch die Wettervorhersage kündigte eine Verschlechterung für den Nachmittag an.




Einer besondere Herausforderung hatten sich 30 Ultraläufer:innen [27 Männer/3 Frauen] gestellt. Das 120-km-Rennen im Rahmen der Zestig van Texel zählt zu den anspruchsvollsten Ultramarathons in den Niederlanden. Die Teilnehmenden absolvierten dabei zwei komplette Runden um die Insel und starteten bereits in den frühen Morgenstunden um 4:35 Uhr Ein echter Härtetest selbst für erfahrene Ultraläufer.

 


Startbereich am Fährhafen 



Von der Startlinie aus verlief die Strecke zunächst entlang der Mokbaai, einem vogelreichen Gebiet am Wattenmeer. In der Nähe war als erste markante Landmarke der spitze weiße Kirchturm von Den Hoorn zu erkennen. Anfangs führte der Weg über Asphalt, wechselte jedoch bald in das weitläufige Dünengebiet. 








Kurz vor dem scheinbar endlosen Strand ging es einige Meter durch tiefen Sand, danach war die Strecke wieder sehr gut laufbar. Kurz darauf erreichten wir das Naturgebiet De Hors – eine weite, offene Sandlandschaft mit jungen Dünen und Lagunen.



De Hors

De Hors


Anschließend wendete sich die Strecke nach Norden und folgte über viele Kilometer der Westküste. Einfach traumhaft: über uns der blaue Himmel mit ein paar Wölkchen, links die Wellen der Nordsee und rechts die hohen Dünen! 





Westküste



Nach der ersten, etwa sieben Kilometer langen Strandpassage führte der Kurs am Strandpavillon Paal 12 ins Inselinnere und durchquerte anschließend den schönen Kiefernwald „De Dennen“. In diesem geschützten, ruhigeren Abschnitt verlief die Strecke vorbei an der Fanmeile an der Waldgaststätte Turfveld, die ihre Lautsprecher voll aufgedreht hatte und uns mit Schlager beschallte ;-)



Strandpavillon Paal 12


Waldgebiet "De Dennen"



 

Am Strandpavillon Paal 15 erreichten wir wieder den offenen Nordseestrand. Von dort ging es weitere sechs Kilometer über mäßig windige Strandabschnitte, begleitet von den Dünen des Nationalparks Duinen van Texel. Vorbei am Badeort De Koog setzte sich der Lauf nach Norden fort. Hinter De Koog verließ die Strecke erneut den Strand und führte durch ein Naturschutzgebiet mit Heidepfaden. Direkt am Anfang stand am Streckenrand einer der typischen Texeler Schafställe (Schapenboet).



Strandpavillon Paal 15

Zurück an der Westküste

Bildrechte: Bjorn Paree

Bildrechte: Arno Bakker

Schapenboet 
 

 

Von hier an verlief die Strecke mitten durch das Dünengebiet „De Muy“ und weiter in die besonders eindrucksvollen Naturräume der Slufterbollen und des Slufters – einer einzigartigen Salzwiesenlandschaft, die von Prielen durchzogen ist.



Dünengebiet De Muy

Dünengebiet De Muy



 

Einige Kilometer weiter nördlich öffnete sich der Blick auf eines der bekanntesten Wahrzeichen der Insel: den Leuchtturm am Nordende Texels bei De Cocksdorp. Die Strecke führte weiter entlang des Ortes, bevor sie sich nach Süden auf die Ostseite der Insel wendete. Hier im Norden begrüßte uns ein starker eiskalter Wind, der sich später als kleiner Vorgeschmack auf die kommenden Sturmböen herausstellte. Es ging mittlerweile auf die Marathonmarke zu, und die Beine wurden schwer.



Leuchturm am Nordkap in Sicht

Bei Cockdorp (Bildrechte: Benno Dros)


Der Charakter der Strecke änderte sich nun deutlich: Statt Strand und Dünen dominierten Deiche, Polder und das Wattenmeer. Die langen Passagen über den kargen Deich wurden zur Prüfung der mentalen Stärke. Schafe und Lämmer zu zählen wäre eine gute Strategie gewesen, doch die meisten Tiere hatten sich bereits vor den Windböen in Sicherheit gebracht ;-)



(Bildrechte Cees Timmer)


 

Vor Oost passierte man eine typische Texeler Windmühle, die als weiteres markantes Landschaftselement diente. Entlang der Ostseite verlief der Kurs weiter durch das schöne Dorf Oostende. Zum ersten Mal überhaupt durchquerten wir eine Ortschaft und wurden an der Dorfgaststätte lautstark gefeiert. Mittlerweile hatten wir die Marathonmarke überschritten, und die Weite, der Wind und der Blick über das Watt prägten das Lauferlebnis.



Mühle bei Oost (Ostküste)

Oost

Dorfkneipe Oostende (Bildrechte: Texelse Courant)


Besonders der Wind wurde zum erbittersten Gegner. Seit dem frühen Morgen hatte die Windstärke stetig zugenommen und lag inzwischen bei etwa 45–50 km/h (Windstärke 6). Einzelne Böen erreichten sogar noch höhere Werte. Zudem traf uns der Wind direkt von vorne. Über lange Strecken hatte man das Gefühl, permanent ausgebremst zu werden und sich mit aller Kraft dagegenstemmen zu müssen. Die Beine wurden schwerer, und die Pace sank deutlich :-(



Blick auf das Wattenmeer

Noch 8km (Bildrechte Cees Timmer)


 

Weiter südlich erreichten wir den Hafen von Oudeschild, einen wichtigen historischen und maritimen Punkt der Insel. 



Hafen von Oudeschild

Letzte Verpflegungsstelle in Oudeschild


Von dort führte die Strecke ins Inselinnere in Richtung des leicht erhöhten „De Hoge Berg“, der mit seinen typischen Wallhecken und alten Kulturlandschaften einen deutlichen Kontrast zu den Küstenabschnitten bildet. Etwa zwei Kilometer vor dem Ziel wartete hier die ultimative „Bergprüfung“ der 60-km-Strecke ;-) Mit gerade einmal 15 Metern über dem Meeresspiegel ist dieser „Berg“ die höchste Erhebung der Insel. Nachdem die „Passhöhe“ überwunden war, konnte man bereits den Zielort Den Burg erkennen.


Von den 800 gestarteten 60km Läufer:innen wurden ca. 70 nicht gewertet, weil sie dem starken Wind zum Opfer gefallen waren, oder nach dem (bereits verlängerten) Zeitlimit erst die Ziellinie erreichten. Von den 154 gestarteten Staffeln erreichten, bis auf eine, das Ziel! Die 30 gestarteten 120 km Läufer:innen erreichten alle das Ziel in Den Burg.




FINISHER -  ZESTIG VAN TEXEL


Nach der ultralangen Runde über Strand, Dünen, Salzwiesen, Polder und Dörfer endet der Lauf schließlich im Ziel und schließt damit eine abwechslungsreiche und landschaftlich einzigartige Umrundung Texels ab.



"hard earned medals are simply the best" !!!




Streckenführung (60km - 1 Runde / 120km - 2 Runden)

 



Weitere Informationen zu diesem Laufevent findet ihr auf der Homepage des Veranstalters: https://dezestigvantexel.nl

 


Eine Übersicht von vielen tollen Läufen (unterschiedliche Distanzen) findet Ihr in einem Übersichtsbeitrag auf diesem Blog:


Amsterdam Marathon & mehr | "Wo die Niederlande läuft: Von Hügeln, Dünen, Stränden und City-Runs“



Bis bald / Tot ziens

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