Bei meinen bisherigen Laufevents
in den Niederlanden hatte ich bereits (fast) alles erlebt. Was mir jedoch noch fehlte,
war der erste Ultramarathon in unserem Nachbarland. 2024 war ich
bereits auf Texel und startete beim legendären Halbmarathon. Bei dieser
Veranstaltung entstand auch die Idee, einmal „Rund um Texel“ zu laufen. Der „Zestig van Texel“ ist ein
anspruchsvoller Ultramarathon über 60 km (optional auch 120 km | 2 Runden), der
rund um die Insel führt. Die Strecke verläuft über Strand, Dünen, Deiche und
Straßen und fordert die Teilnehmer:innen durch wechselnden Untergrund sowie
Wind und raues Wetter. Der Lauf findet alle zwei Jahre statt und zählt zu den
bekanntesten und härtesten Ultraläufen der Niederlande.

Der 60km Ultralauf auf Texel zeigte am
Sonntag viele Gesichter: Er begann als milder Frühlingstag – schönes Wetter für
die noch frischen Ultraläufer – endete jedoch in bitterer Kälte und starkem
Wind und wurde so zu einem wahren Ausdauerlauf. Rekorde und Enttäuschungen,
Lachen und Tränen – ein „echter Texel-Lauf“.
(aus: Texelse Courant)
Der Ultra führte in einer großen Schleife um die Insel und verband dabei nahezu alle
charakteristischen Landschaften Texels. Der Start erfolgte im Süden nahe dem
Fährhafen bei ’t Horntje. Das Wetter war nahezu perfekt: strahlender Sonnenschein
bei 10 Grad, die sich wärmer anfühlten. Der Wind war zunächst noch mäßig, doch
die Wettervorhersage kündigte eine Verschlechterung für den
Nachmittag an.
Einer besondere Herausforderung
hatten sich 30 Ultraläufer:innen [27 Männer/3 Frauen] gestellt. Das
120-km-Rennen im Rahmen der Zestig van Texel zählt zu den anspruchsvollsten
Ultramarathons in den Niederlanden. Die Teilnehmenden absolvierten dabei zwei komplette
Runden um die Insel und starteten bereits in den frühen Morgenstunden um 4:35
Uhr. Ein echter Härtetest
selbst für erfahrene Ultraläufer.
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| Startbereich am Fährhafen |
Von der Startlinie aus verlief
die Strecke zunächst entlang der Mokbaai, einem vogelreichen Gebiet am
Wattenmeer. In der Nähe war als erste markante Landmarke der spitze weiße
Kirchturm von Den Hoorn zu erkennen. Anfangs führte der Weg über Asphalt, wechselte
jedoch bald in das weitläufige Dünengebiet.
Kurz vor dem scheinbar endlosen Strand ging es einige Meter durch tiefen Sand, danach war die Strecke wieder sehr gut laufbar. Kurz darauf erreichten wir das Naturgebiet De Hors – eine weite, offene Sandlandschaft mit jungen Dünen und Lagunen.
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| De Hors |
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| De Hors |
Anschließend wendete sich die
Strecke nach Norden und folgte über viele Kilometer der Westküste. Einfach
traumhaft: über uns der blaue Himmel mit ein paar Wölkchen, links die Wellen
der Nordsee und rechts die hohen Dünen!
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| Westküste |
Nach der ersten, etwa sieben Kilometer
langen Strandpassage führte der Kurs am Strandpavillon Paal 12 ins Inselinnere
und durchquerte anschließend den schönen Kiefernwald „De Dennen“. In diesem
geschützten, ruhigeren Abschnitt verlief die Strecke vorbei an der Fanmeile an
der Waldgaststätte Turfveld, die ihre Lautsprecher voll aufgedreht hatte und
uns mit Schlager beschallte ;-)
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| Strandpavillon Paal 12 |
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| Waldgebiet "De Dennen" |
Am Strandpavillon Paal 15
erreichten wir wieder den offenen Nordseestrand. Von dort ging es weitere sechs
Kilometer über mäßig windige Strandabschnitte, begleitet von den Dünen des
Nationalparks Duinen van Texel. Vorbei am Badeort De Koog setzte sich der Lauf
nach Norden fort. Hinter De Koog verließ die Strecke erneut den Strand und
führte durch ein Naturschutzgebiet mit Heidepfaden. Direkt am Anfang stand am
Streckenrand einer der typischen Texeler Schafställe (Schapenboet).
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| Strandpavillon Paal 15 |
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| Zurück an der Westküste |
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| Bildrechte: Bjorn Paree |
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| Bildrechte: Arno Bakker |
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| Schapenboet |
Von hier an verlief die Strecke
mitten durch das Dünengebiet „De Muy“ und weiter in die besonders
eindrucksvollen Naturräume der Slufterbollen und des Slufters – einer
einzigartigen Salzwiesenlandschaft, die von Prielen durchzogen ist.
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| Dünengebiet De Muy |
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| Dünengebiet De Muy |
Einige Kilometer weiter nördlich
öffnete sich der Blick auf eines der bekanntesten Wahrzeichen der Insel: den
Leuchtturm am Nordende Texels bei De Cocksdorp. Die Strecke führte weiter
entlang des Ortes, bevor sie sich nach Süden auf die Ostseite der Insel
wendete. Hier im Norden begrüßte uns ein starker eiskalter Wind, der sich
später als kleiner Vorgeschmack auf die kommenden Sturmböen herausstellte. Es
ging mittlerweile auf die Marathonmarke zu, und die Beine wurden schwer.
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| Leuchturm am Nordkap in Sicht |
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| Bei Cockdorp (Bildrechte: Benno Dros) |
Der Charakter der Strecke
änderte sich nun deutlich: Statt Strand und Dünen dominierten Deiche, Polder
und das Wattenmeer. Die langen Passagen über den kargen Deich wurden zur
Prüfung der mentalen Stärke. Schafe und Lämmer zu zählen wäre eine gute Strategie
gewesen, doch die meisten Tiere hatten sich bereits vor den Windböen in
Sicherheit gebracht ;-)
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| (Bildrechte Cees Timmer) |
Vor Oost passierte man eine
typische Texeler Windmühle, die als weiteres markantes Landschaftselement
diente. Entlang der Ostseite verlief der Kurs weiter durch das schöne Dorf
Oostende. Zum ersten Mal überhaupt durchquerten wir eine Ortschaft und wurden
an der Dorfgaststätte lautstark gefeiert. Mittlerweile hatten wir die
Marathonmarke überschritten, und die Weite, der Wind und der Blick über das
Watt prägten das Lauferlebnis.
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Mühle bei Oost (Ostküste)
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| Oost |
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| Dorfkneipe Oostende (Bildrechte: Texelse Courant) |
Besonders der Wind wurde zum
erbittersten Gegner. Seit dem frühen Morgen hatte die Windstärke stetig
zugenommen und lag inzwischen bei etwa 45–50 km/h (Windstärke 6). Einzelne Böen
erreichten sogar noch höhere Werte. Zudem traf uns der Wind direkt von vorne.
Über lange Strecken hatte man das Gefühl, permanent ausgebremst zu werden und
sich mit aller Kraft dagegenstemmen zu müssen. Die Beine wurden schwerer, und
die Pace sank deutlich :-(
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| Blick auf das Wattenmeer |
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| Noch 8km (Bildrechte Cees Timmer) |
Weiter südlich erreichten wir
den Hafen von Oudeschild, einen wichtigen historischen und maritimen Punkt der
Insel.
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| Hafen von Oudeschild |
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| Letzte Verpflegungsstelle in Oudeschild |
Von dort führte die Strecke ins Inselinnere in Richtung des leicht
erhöhten „De Hoge Berg“, der mit seinen typischen Wallhecken und alten Kulturlandschaften
einen deutlichen Kontrast zu den Küstenabschnitten bildet. Etwa zwei Kilometer
vor dem Ziel wartete hier die ultimative „Bergprüfung“ der 60-km-Strecke ;-)
Mit gerade einmal 15 Metern über dem Meeresspiegel ist dieser „Berg“ die höchste
Erhebung der Insel. Nachdem die „Passhöhe“ überwunden war, konnte man bereits
den Zielort Den Burg erkennen.
Von den 800 gestarteten 60km Läufer:innen wurden ca. 70 nicht gewertet, weil sie dem starken Wind zum Opfer gefallen waren, oder nach dem (bereits verlängerten) Zeitlimit erst die Ziellinie erreichten. Von den 154 gestarteten Staffeln erreichten, bis auf eine, das Ziel! Die 30 gestarteten 120 km Läufer:innen erreichten alle das Ziel in Den Burg.
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| FINISHER - ZESTIG VAN TEXEL |
Nach der ultralangen Runde über
Strand, Dünen, Salzwiesen, Polder und Dörfer endet der Lauf schließlich im Ziel
und schließt damit eine abwechslungsreiche und landschaftlich einzigartige
Umrundung Texels ab.
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| "hard earned medals are simply the best" !!! |
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| Streckenführung (60km - 1 Runde / 120km - 2 Runden) |
Weitere Informationen zu diesem
Laufevent findet ihr auf der Homepage des Veranstalters: https://dezestigvantexel.nl
Eine Übersicht von vielen tollen Läufen (unterschiedliche Distanzen) findet Ihr in einem Übersichtsbeitrag auf diesem Blog:
Amsterdam Marathon & mehr | "Wo die Niederlande läuft: Von Hügeln, Dünen, Stränden und City-Runs“
Bis bald / Tot ziens
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