Liechtenstein zählt zu den kleinsten Staaten der Welt – nur fünf Länder sind noch kleiner als das kleine Fürstentum, welches zwischen der Schweiz und Österreich liegt und rund 40.000 Einwohner hat. Landschaftlich hat das Land jedoch einiges zu bieten: Das Rheintal und die umliegenden Berge prägen die Region und schaffen ideale Voraussetzungen für einen anspruchsvollen Alpin-Marathon. Ich wollte hier nicht nur meinen 75. Marathon laufen, sondern mich noch einmal an „echten Bergen“ messen. Gleichzeitig gab es natürlich einen weiteren Länderpunkt zu sammeln – Nummer 19. Ein Lauf-Abenteuer vor imposanter Kulisse. Tatsächlich wurde das kleine Fürstentum beim LGT Alpin Marathon in Länge, Breite und Höhe fast vollständig durchquert;-)
Vom Start im idyllischen
Rheintal bei Bendern bis zum Ziel im Wintersportort Malbun führte die Strecke
durch eine äußerst abwechslungsreiche Landschaft. Das Rheinufer, die Hauptstadt
Vaduz, grüne Wiesen, rauschende Bergbäche, knackige Anstiege und spektakuläre
Ausblicke begleiteten die Läufer:innen auf ihrem Weg.
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| Blick ins Rheintal |
Bereits am Morgen lagen die Temperaturen bei rund 20 Grad. Auf den ersten, noch flachen Kilometern verlief die Route entlang des Rheins in Richtung Vaduz, dem Hauptort des Landes. Es war der einfachste Abschnitt der Strecke;-)
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| Start in Bendern |
Die Stimmung am Start war locker
und besonders unter den Pink-Ribbon-Läufer:innen hervorragend. Ihr Ziel befand
sich in der Innenstadt von Vaduz und damit noch vor den ersten größeren
Anstiegen. Nach dem Startschuss zog sich das Teilnehmerfeld wie ein langes,
buntes Band von Bendern in Richtung Rheindamm. Dort präsentierte sich der Rhein
in leuchtendem Türkis, während die Sonne vom Himmel strahlte und die umliegende
Bergwelt bereits einen Vorgeschmack auf die kommenden Herausforderungen bot.
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| Rheindamm |
Kurz vor Vaduz verteilten
Helfer:innen pinkfarbene Luftballons an die Teilnehmer:innen des Pink Ribbon
Run. Durch diese symbolische Geste verwandelten sich große Teile des Läuferfeldes, auf den letzten Metern vor ihrem Ziel, in einen pinkfarbenen Bandwurm, der sich
durch die Fußgängerzone der Stadt schlängelte. Kurz danach lichtete sich das
Feld deutlich, als die Pink-Ribbon-Läufer:innen glücklich ihren Zieleinlauf
feierten.
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| Hauptstadt Vaduz |
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| Hauptstadt Vaduz |
Hinter Vaduz änderte sich der Charakter des Rennens schlagartig. Vorbei an Weinbergen und dem Schloss Vaduz, dem Wohnsitz des Landesfürsten, sammelten die Teilnehmenden erste Eindrücke der typischen Gebirgslandschaft.
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| Höhenprofil LGT Alpin Marathon ab km 4 (Polar Flow App) |
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| Schloss Vaduz |
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| Hauptstadt Vaduz |
Mit jeder Serpentine wurde mir bewusster, dass dieser
Marathon eine besondere Herausforderung werden würde. Der Puls stieg, die
Schritte wurden kürzer und das Gespräch mit anderen Läufer:innen verstummte
zunehmend. Jeder konzentrierte sich auf seinen eigenen Rhythmus. Immer wieder
öffnete sich zwischen den Bäumen der Blick zurück ins Rheintal. Diese Ausblicke
waren eine willkommene Belohnung für die schmerzenden Oberschenkel. Auf 10
Kilometern, hinter Vaduz, wurden nicht weniger als 1.000 Höhenmeter überwunden. Teilweise lag
die Steigung bei 15 Prozent.
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| Musikalische Unterstützung beim Aufstieg |
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| Bildrechte: Alpha Foto |
Nach diesen mühsamen Kilometern führte die Strecke in Richtung des Valünatals. Für viele Marathonis bedeutet diese Phase nach einigen Gehkilometern die Rückkehr zum Laufen. Dabei wurden leider viele der mühsam erkämpften Höhenmeter wieder verloren. Nach rund 25 Kilometern erreichten die Läufer:innen den kleinen Ort Steg. Hier befanden sich das Ziel des Halbmarathon PLUS (25 Kilometer) sowie die Wechselzone der Staffelteams (25 + 17).
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| Valünatal und Steg |
Hoch hinaus zum Sass Fürkle
Für die Marathonläufer:innen war
hier jedoch noch lange nicht Schluss. Eine große Schleife führte um die
bewaldeten Gipfel der "Drei Kapuziner" und des
"Schönbergs". Die Steigungen waren nun etwas moderater, doch es ging
weiterhin kontinuierlich bergauf.
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| Valorsch |
Im Valorsch, einem abgelegenen Alp- und Bergtal, gab es entlang der Strecke viel zu entdecken: weite Alpweiden, steile Berghänge, felsige Flanken, Bergbäche und Quellgebiete sowie zahlreiche Alpen und Berghütten. An einer Verpflegungsstation konnten die Läufer:innen noch einmal Energie tanken, bevor der anspruchsvolle Anstieg zum Sass Fürkle wartete. Mit 1.780 Metern markierte dieser den höchsten Punkt der Strecke.
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| Aufstieg im Valorsch |
Der Aufstieg verlief über eine Steigung mit 450 zu überwindenden Höhenmetern. Und das ausgerechnet in der schon bei einem Flachmarathon besonders harten Phase von Kilometer 32 bis 35, wenn der Körper vollständig auf die Fettverbrennung umstellt. Insbesondere der schmale Pfad über unzählige Felsstufen unterschiedlicher Höhe forderte die Teilnehmenden. Mit jeder Stufe wurden meine Beine schwerer. Zusätzlich sorgte die unerbittliche Sonne, die kaum Schatten zuließ, für eine weitere Belastung. Als dieser besonders anspruchsvolle Abschnitt endlich überwunden war, konnte man mir und vielen anderen die Anstrengung deutlich ansehen.
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| Kurz vor dem Sass Fürkle |
Obwohl das Sass Fürkle noch
nicht erreicht war, wartete hier bereits eine kleine Verpflegungsstelle. Nach
einem Schluck Cola, einem Becher Boullion und einer willkommenen „Dosis
Schatten“ lief ich langsam die restliche Distanz bis zur Passhöhe. Dort wurden
die Mühen direkt mit einer weiteren Verpflegungsstation und einem großartigen
Ausblick ins Malbuntal belohnt.
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| "Die Einsamkeit des Langstreckenläufers" (Bildrechte: Alpha Foto) |
Vom Sass Fürkle führte die
Strecke über breitere Wege bergab in Richtung Malbun. Die leicht abschüssige
Passage ließ sich angenehm laufen. Als ich Malbun zum ersten Mal unter mir
liegen sah, war die Freude groß. Das Ziel schien zum Greifen nah. Ein kurzer
Blick auf die Uhr holte mich jedoch zurück auf den Boden der Tatsachen: Noch
5,5 Kilometer. Statt direkt ins Ziel zu laufen, wartete eine weitere Schleife
mit zusätzlichen Höhenmetern. Für einen Moment machte sich Ernüchterung breit.
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| Talkessel oberhalb von Malbun |
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| Malbun |
Landschaftlich war dieser Abschnitt ein echtes Highlight, mental jedoch eine große Herausforderung. Es ging von Malbun aus nochmals bergauf und wechselte anschließend auf die gegenüberliegende Seite des Hochtals. Dort ging's noch ein letzten Mal bergauf. Der finale Kilometer sorgte schließlich für ein echtes Runner’s High. Malbun lag den Läuferinnen und Läufern im wahrsten Sinne des Wortes zu Füßen, während die Strecke auf einem breiten Weg angenehm bergab führte.
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| Der letzte Kilometer ;-))) |
Das Bergmassiv des Ochsenkopfs
mit seinen steilen, hellen Schuttrinnen und der markanten Felsflanke oberhalb
von Malbun bildete eine beeindruckende Naturkulisse. Aus dem Tal hallte bereits
die Stimme des Moderators aus dem Zielbereich herauf, und mit jedem Schritt
wuchs die Vorfreude auf den ersehnten Zieleinlauf.
Am Dorfrand angekommen, lagen
nur noch 200 Meter Asphalt vor den Läuferinnen und Läufern. Kurz vor dem Ziel
erklang der eigene Name aus den Lautsprechern. Geschafft – Finisher!
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| Bildrechte: Alpha Foto |
Der LGT Alpin Marathon gilt als
einer der schönsten und zugleich herausforderndsten Bergmarathons im Alpenraum
und bot den Läufer:innen ein unvergessliches Lauferlebnis inmitten der Alpen Liechtensteins!
Während des Rennens habe ich an vielen Stellen eine Ähnlichkeit zum berühmten Schweizer Jungfrau-Marathon festgestellt. Es ist sicherlich eine individuelle Einordnung aber im abschließenden Abschnitt, möchte ich die Rennen einmal kurz vergleichen:
Der Jungfrau-Marathon weist mit rund 1.950 Höhenmetern bergauf etwas mehr Anstieg auf als der LGT Alpin Marathon mit etwa 1.800–1.870 Höhenmetern. Gleichzeitig hat der Jungfrau-Marathon mit lediglich 200–300 Höhenmetern bergab deutlich weniger Gefällestrecken als der LGT Alpin Marathon mit rund 650 Höhenmetern bergab. Während beim Jungfrau-Marathon die ersten etwa 10 Kilometern flach oder mit leichtem Anstieg verlaufen und danach nahezu durchgehend bergauf gelaufen wird, bietet der LGT Alpin Marathon mit 11 flachen Anfangskilometern sowie zusätzlichen Gefällestücken, ebenfalls einen angenehmen Einstieg und etwas mehr Erholungsphasen beim bergablaufen.
Die maximale Steigung ist bei den beiden Bergläufen nicht so weit auseinander: Der Anstieg von Lauterbrunnen nach Wengen weist durchschnittlich etwa 9 % Steigung auf, einzelne Passagen erreichen sogar 15–17 %, während die längeren Anstiege in Liechtenstein meist im Bereich von 8–12 % liegen und an einem Punkt 15% erreichen.
Landschaftlich punktet der Jungfrau-Marathon mit dem Brienzersee, dem Lauterbrunnental, Wengen, der Wengernalp und besonders mit dem Ziel am Eigergletscher sowie dem weltbekannten Panorama von Eiger, Mönch und Jungfrau. Der LGT Alpin Marathon bietet viele schöne Ausblicke über das Rheintal, auf Schloss Vaduz, dem Valorsch Hochtal sowie die Bergwelt rund um Malbun.
Bei den Teilnehmerzahlen unterscheiden sich die Rennen jedoch deutlich: Beim Jungfrau-Marathon starten typischerweise 3.500–4.000 Läufer, während der LGT Alpin Marathon mit 800–1.200 Teilnehmern wesentlich familiärer ausfällt.
Insgesamt wirkt der Jungfrau-Marathon etwas alpiner und spektakulärer, während der LGT Alpin Marathon
abwechslungsreicher und laufbarer ist.

Es gibt nur einen Marathon, bei dem man fast ein
ganzes Land durchqueren kann
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| Bildquelle: Homepage Veranstalter |
LGT Alpin Marathon Liechtenstein
Bis bald











































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